Monthly Archives: January 2012

Academic publishers have become the enemies of science

A good summary of the debate and possible implications of the new US Research Works Act (RWA) by guest author Mike Taylor was published in The Guardian, 2012-01-16.

I also liked a comment suggesting to “send off your work to a presitgious, peer-review journal which has paywalls. Have your article peer-reviewed and accepted for publication. Withdraw it from the journal, and post it online yourself along with the acceptance letter. That way you get free dissemination of your work along with a rubber-stamp saying it has been peer-reviewed.”

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Academic publishers have become the enemies of science

The US Research Works Act would allow publishers to line their pockets by locking publicly funded research behind paywalls

This is the moment academic publishers gave up all pretence of being on the side of scientists. Their rhetoric has traditionally been of partnering with scientists, but the truth is that for some time now scientific publishers have been anti-science and anti-publication. The Research Works Act, introduced in the US Congress on 16 December, amounts to a declaration of war by the publishers.

The USA’s main funding agency for health-related research is the National Institutes of Health, with a $30bn annual budget. The NIH has a public access policy that says taxpayer-funded research must be freely accessible online. This means that members of the public, having paid once to have the research done, don’t have to pay for it again when they read it – a wholly reasonable policy, and one with enormous humanitarian implications because it means the results of medical research are made freely available around the world.

A similar policy is now being adopted in the UK. On page 76 of the policy document Innovation and Research Strategy for Growth the government states that it is “committed to ensuring that publicly funded research should be accessible free of charge”. All of this is great for the progress of science, which has always been based on the free flow of ideas, the sharing of data, and standing on the shoulders of giants.

But what’s good for science isn’t necessarily good for science publishers, whose interests have drifted far out of alignment with ours. Under the old model, publishers become the owners of the papers they publish, holding the copyright and selling copies around the world – a useful service in pre-internet days. But now that it’s a trivial undertaking to make a paper globally available, there is no reason why scientists need yield copyright to publishers.

[…] view full text at The Guardian

If passed, the Research Works Act (RWA) would prohibit the NIH’s public access policy and anything similar enacted by other federal agencies, locking publicly funded research behind paywalls. The result would be an ethical disaster: preventable deaths in developing countries, and an incalculable loss for science in the USA and worldwide. The only winners would be publishing corporations such as Elsevier (£724m profits on revenues of £2b in 2010 – an astounding 36% of revenue taken as profit).

Since Elsevier’s obscene additional profits would be drained from America to the company’s base in the Netherlands if this bill were enacted, what kind of American politician would support it? The RWA is co-sponsored by Darrell Issa (Republican, California) and Carolyn B. Maloney (Democrat, New York). In the 2012 election cycle, Elsevier and its senior executives made 31 donations to representatives: of these, two went to Issa and 12 to Maloney, including the largest individual contribution.

[…] view full text at The Guardian

The bottom line for scientists is that many publishers have now made themselves our enemies instead of the allies they once were. Elsevier’s business does not make money by publishing our work, but by doing the exact opposite: restricting access to it. We must not be complicit in their newest attempt to cripple the progress of science.

Dr Mike Taylor is a research associate at the Department of Earth Sciences, University of Bristol

 

 

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Doktor Wenn und Doktor Aber

Ein scharfsinniger Essay zur universitären Welt, in der das Prinzip Guttenberg systemimmanent geworden ist, in der “inzwischen 98 bis 99 prozent allerakadmischen Textproduktion in der […] Erwartung des parteillen oder völligen Nichtlesens verfasst werden.”

[aus: Der Spiegel, 49/2011]

Doktor Wenn und Doktor Aber

Die Figur des Hochstaplers gehört ins Zentrum der modernen Kultur. Von Peter Sloterdijk

Man darf unterstellen, Thomas Mann hätte sich im Stillen ganz außerordentlich über die Affäre erheitert, die im Februar 2011 die Bundesrepublik erschütterte, als man einem damaligen deutschen Minister, einem gewissen Herrn zu Guttenberg, eine beeindruckende Fülle von unmarkierten Übernahmen langer und kurzer fremder Textstücke in seiner Dissertation zu einem verfassungsrechtlichen Gegenstand nachwies. Er hätte sich sicher fürstlich amüsiert bei dem Gedanken, dass ein Mann mit einem so gutentwickelten Krull-Faktor es bis an die Spitze des Verteidigungsministeriums eines mächtigen Landes bringen konnte; eines Landes, dessen Armee noch ein gutes halbes Jahrhundert zuvor die Welt in Furcht und Schrecken versetzt hatte. Ja, der aktuelle Krull war gerade rechtzeitig ins Amt gekommen, um in Übereinstimmung mit der außenpolitischen Lage der Nation die Truppen zu verkleinern und um im Einklang mit dem Geist der Zeit auch für Soldaten im Kampfeinsatz den fälligen Übergang zu postheroischen Orientierungen zu vollziehen.

[…]  Volltext: Der Spiegel, 49/2011

Man müsste sehr naiv sein, wollte man annehmen, dass die Studierenden und Lehrenden von heute beim Betreten einer Universität aufhörten, Kinder ihrer Zeit zu sein — und die Zeit weist alle Merkmale eines Trainingslagers für krullsche Subjektivitäten auf. Der akademische Raum kann sich hiergegen nicht einfach immunisieren. Es gehört zu den Feinheiten der deutschen Hochschulsprache, dass sie das Ansammeln von beglaubigten Leistungen im Lauf eines Studiums geradeheraus als Scheinerwerb bezeichnet — was insofern als terminologisch wertvoller Hinweis zu würdigen ist, als zwischen einer authentischen Kompetenz, was immer das sein mag, und einer umfassenden Simulation derselben Kompetenz kein essentieller Unterschied nachzuweisen ist. Man könnte dies an einigen bekannten Beispielen von falschen Ärzten illustrieren, die jahrelang täglich mit gutem Erfolg schwierigste Operationen durchführten, bis sich eines Tages herausstellte, dass sie hierzu nicht qualifiziert waren.

Um die spezifische Differenz des akademischen Plagiats von allen sonstigen Fällen der Missachtung “geistigen Eigentums” zu erfassen, muss man die unverwechselbare Eigenart der akademischen Prozeduren in den Blick nehmen. In äußerer Sicht erscheint die universitäre Welt als ein Biotop, das auf die Hervorbringung von zumeist bizarren und durchweg unpopulären “Textsorten” spezialisiert ist. Die reichen von Seminarreferaten und Semesterarbeiten über Diplomarbeiten, Magisterarbeiten und Examensarbeiten bis hin zu Dissertationen und Habilitationsschriften, um von den Gutachten, den Forschungsanträgen, den Memoranden, den Struktur- und Entwicklungsplänen und dergleichen nicht zu reden: allesamt textuelle Gewächse, die ausschließlich im Binnenklima der Akademia gedeihen — hochalpinen Kriechpflanzen vergleichbar, die jenseits der Baumgrenze überleben und die in der Regel einer Umpflanzung ins publizistische Flach- und Freiland nicht fähig sind. Die Gesamtleistung der akademischen Schriftsachenproduktion besitzt einen schlechterdings unfassbaren Umfang, sie hat geradewegs Tsunami-Charakter — um die zurzeit plausibelste Massenmetapher zu benutzen. Mit ihrem jährlichen Output von Milliarden und Abermilliarden bedruckter Seiten stellt sie einen paradoxen Tsunami vor, der keine sichtbare Küste überschwemmt, sondern ausschließlich im Inneren der intellektuellen Institution tobt, von der Mitwelt so gut wie unbemerkt.

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Wissenschaftsorganisationen bekennen sich zu planbaren und verlässlichen Karriereperspektiven

Nichts begriffen… “Die Wissenschaftsorganisationen sprechen sich entschieden dafür aus, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz unverändert fortzuführen.” — Wissenschaft im Kapitalismus: der Mensch zählt nichts. Da klingt das folgende entschuldigende Bekenntnis doch nur wie Hohn: “Die Wissenschaftsorganisationen sind sich der Bedeutung des verantwortungsvollen Umgangs mit den Befristungsregelungen und der damit verbundenen besonderen Personalfürsorge bewusst.”

Homepage der Max-Planck-Gesellschaft <http://www.mpg.de/4697136/wissenschaftszeitvertragsgesetz>

Wissenschaftsorganisationen bekennen sich zu planbaren und verlässlichen Karriereperspektiven

13. Dezember 2011

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen spricht sich entschieden für eine unveränderte Fortführung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) aus. Es sei zum unverzichtbaren Instrument geworden, um die hohe Qualität unseres wissenschaftlichen Personals zu sichern, so die Allianz. Gleichzeitig erkennen die Wissenschaftsorganisationen die große Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Befristungsregelungen sowie der damit verbundenen besonderen Personalfürsorge an, heißt es in der Allianz-Stellungnahme anlässlich der Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes.

Personelle Erneuerungsfähigkeit sichert das weltweit anerkannt hohe Niveau der deutschen Wissenschaft in ihren außeruniversitären Forschungsorganisationen und Hochschulen. Sie ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nach der Qualifizierungsphase. Vor dem Erlass des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes standen den Forschungseinrichtungen und Hochschulen kaum wirkungsvolle und rechtssichere arbeitsrechtliche Grundlagen zur Gewährleistung der personellen Erneuerungsfähigkeit zur Verfügung. Stattdessen bestanden erhebliche rechtliche und damit planerische Unsicherheiten.

Mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz schuf der Bundestag 2007 eine wissenschaftsadäquate Grundlage zur Befristung von Arbeitsverhältnissen. Damit entstand auch deutlich mehr Planungssicherheit für die Hochschulen, die Forschungseinrichtungen und die in ihnen tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Besonders hervorzuheben sind die Rechtssicherheit der Drittmittelbefristung sowie die Einführung familienpolitischer Komponenten. Das
Wissenschaftszeitvertragsgesetz hat sich aus Sicht der Wissenschaftsorganisationen bewährt. Es ist zum unverzichtbaren Instrument geworden, um die hohe Qualität unseres wissenschaftlichen Personals zu sichern.

Kurze Befristungszeiten sind häufig auf die stetig steigenden Drittmittelfinanzierungen bei – insbesondere in den Hochschulen – stetig sinkender Grundfinanzierung und die entsprechenden haushalts- und zuwendungsrechtlichen Bestimmungen zurückzuführen. Hier gilt es sowohl die Grundfinanzierung wieder zu verbessern, als auch das Haushalts- bzw. Zuwendungsrecht mit dem Dienstrecht zu harmonisieren.

Die Wissenschaftsorganisationen sind sich der Bedeutung des verantwortungsvollen Umgangs mit den Befristungsregelungen und der damit verbundenen besonderen Personalfürsorge bewusst. Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um den wissenschaftlichen Nachwuchs und um die besten Köpfe sehen sich die Hochschulen und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Verantwortung, ihr Augenmerk auf die individuellen Karrierewege jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu richten und Personalentwicklung systematisch zu betreiben.Dies gilt für alle wissenschaftlichen Qualifizierungsstufen, in besonderer Weise aber für die Phase nach der Promotion, in der sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine berufliche Zukunft innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft entscheiden.

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Berichte aus dem Open-Access-Krieg

Der neue US-Gesetzesentwurf des Research Work Act, welches darauf abzielt, Open-Access-Mandate zu verhindern bzw. abzuschaffen in Blogs wie wisspub.net und archivalia.

Gesetze wie dieses sind Lobby-Arbeit der kommerziellen Verlage ‘vom Feinsten’! In Deutschland läuft das ähnlich und heisst dann Heidelberger Erklärung