Monthly Archives: December 2014

“Exzellenz braucht Existenz”

“Exzellenz braucht Existenz”

Studie zur Befristung im Wissenschaftsbereich: ein Beitrag zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

von Sebastian M. F. Raupach, Martina Lienhop, Andre Karch, Heike Raupach-Rosin und Karen M. Oltersdorf
(2014)

http://www.perspektive-statt-befristung.de/

Kurzzusammenfassung

Im Kontext der von mehr als 25.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern unterstützten Petition ,,Perspektive statt Befristung” wurde eine bundesweite Umfrage mit rund 1.700 Teilnehmenden durchgeführt.
Themen der Umfrage sind die Folgen der Befristungssituation sowie die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes.
Hintergrund ist der Mangel unbefristeter Beschaftigungsverhaltnisse auf dem wissenschaftlichen Arbeitsmarkt infolge hoher Befristungsanteile an Forschungseinrichtungen und Hochschulen (siehe Hintergrundinformationen im Anhang).
Die unsicheren Beschaftigungsverhaltnisse wirken sich nach Erfahrung der Teilnehmenden nicht nur auf das Leben der Forschenden und ihrer Familien ausgesprochen negativ aus, sondern auch auf die Qualität des Wissenschaftssystems. Sie fuhren zu einem systematischen Verlust von Forschungspotential und beeintrachtigen den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig. Damit gefährden sie den Erfolg der hohen Investitionen in Bildung und Forschung.
Die Teilnehmenden sprechen sich mit großer Mehrheit fur die Schaung von mehr unbefristeten Stellen im Mittelbau sowie fur geeignete Auswahlverfahren und mehr Transparenz bei Berufungen aus.
Nahezu einstimmig fordern sie von der Bundespolitik die Reform der gesetzlichen Befristungsregeln.

  • Mit großer Mehrheit sprechen sich die Teilnehmenden fur eine gesetzliche Begrenzung des Befristungsanteils an Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus.
  • Ebenso deutlich fordern die Teilnehmenden die Streichung der personenbezogenen “12-Jahresregel”.
  • Die Einführung einer Mindestlaufzeit fur Vertrage, die befristet sind, wird mehrheitlich befürwortet, ist aber nicht gänzlich unumstritten.
  • Die Befürwortenden einer Mindestlaufzeit halten einen Zeitraum von drei Jahren fur angemessen.
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“Seelische Veranlagung der von Verbrechern ziemlich wesensverwandt…”

Baur, Fischer, Lenz,1 Bd. 2, S. 57:

P. J. M o e b i u s hat nicht ohne Grund darauf hingewiesen, daß viele Menschen, welche im wirtschaftlichen und sozialen Wettbewerb besonders erfolgreich sind, eine seelische Veranlagung aufweisen, welche der von Verbrechern ziemlich wesensverwandt ist. „Fehlt der Leichtsinn und sind die übrigen Geistesgaben gut entwickelt, so entstehen trotz Herzlosigkeit und Gewalttätigkeit nicht Sträflinge, sondern hohe Beamte, Staatsmänner, Feldherrn, wohl auch Gelehrte.” Man begegnet in der Tat auch im wissenschaftlichen Leben nicht selten Menschen, die durch geschickte Ausbeutung der Entdeckungen anderer und durch rücksichtslose Beiseiteschiebung ihrer bescheideneren Kollegen zu großen Erfolgen und Ehren gelangen.

1 Das Lehrbuch “Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene” von Erwin Baur, Eugen Fischer und Fritz Lenz erschien zwischen 1921 und 1940 in 5 Auflagen. Zeitgenössische Kritiker beurteilten das Werk in ihren Rezensionen bis auf wenige Ausnahmen positiv und machten es so in kurzer Zeit zum Standardwerk der Rassenhygiene. Nach 1933 wurde die Schrift als die “wissenschaftliche” Grundlage der von den Nationalsozialisten verfolgten rassenhygienischen Politik angesehen. [Fangerau & Müller 2002]

Imperial College professor Stefan Grimm ‘was given grant income target’ | News | Times Higher Education

This is not a university anymore but a business with very few up in the hierarchy.

Imperial College professor Stefan Grimm ‘was given grant income target’ | News | Times Higher Education.

Read more on the background of this story at the blog by David Colquhoun, emeritus professor of pharmacology at University College London.

Das Ende von Open Medicine: Idealismus alleine reicht auf Dauer nicht

wisspub.net

Nach 7 Jahren mit 31 Ausgaben schliesst das kanadische Journal Open Medicine. Das Journal entstand 2007 nach Streitigkeiten des Editorial Boards zur inhaltlichen Unabhängigkeit des Journal of the Canadian Medical Association, CMAJ.

Im Editorial der letzten Ausgabe erwähnen die Herausgeberinnen die fehlende finanzielle Nachhaltigkeit als Hauptgrund.

Had we a crystal ball in 2006, what would we have done differently? There is no question that financial sustainability has been foremost in our minds. Although we have attempted to pay modest stipends for journal operations, neither our scientific editors nor our editors-in chief have been compensated, and most of our administrative and production staff have volunteered much of their time. For fear of turning away authors, we delayed instituting publication charges until quite late in the game. As researchers, we struggled to be good fundraisers, communication specialists, information technology and web developers, and public relations experts. As busy doctors, we struggled…

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Traumjob Wissenschaft?

[aus: Blätter für deutsche und internationale Politik 11/2014, Seite 29-32]

Traumjob Wissenschaft?

von Andreas Keller

Zum großen Teil befristet“, „vielfältige Abhängigkeiten“ und „Sackgassen“ – was sich wie eine gewerkschaftliche Kritik der Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft liest, stammt tatsächlich aus den jüngsten „Empfehlungen zu Karrierezielen und -wegen an Universitäten“ des Wissenschaftsrates.[1] Mit dem Papier, das dieser im Juli vorlegte, ist die Reform der Personalstruktur in Hochschulen und der Forschung endlich auf der Agenda des offiziellen Beratungsgremiums von Bund und Ländern angekommen.

Dafür ist es auch höchste Zeit: Denn mittlerweile sind 90 Prozent der knapp 170 000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Hochschulen befristet beschäftigt, über die Hälfte dieser Zeitverträge hat eine Laufzeit von unter einem Jahr. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können promoviert und habilitiert sein, umfassende Erfahrungen in Forschung und Lehre nachgewiesen und über Jahre erfolgreich Drittmittel eingeworben haben: In Deutschland gelten sie, solange sie nicht den Sprung auf eine Professur geschafft haben, als „wissenschaftlicher Nachwuchs“. Ganz anders handhaben das vergleichbare Industrieländer wie Großbritannien, Frankreich oder die USA: Dort gibt es auch neben der Professur die Perspektive, auf Dauer Wissenschaft als Beruf auszuüben.

Die Gründe für die Misere sind vielfältig. Lange, steinige und vielfach in Sackgassen endende Karrierewege des „wissenschaftlichen Nachwuchses“ sind bereits in der Tradition der deutschen Ordinarienuniversität angelegt, der eine steile Hierarchie zwischen Lehrstuhlinhabern und allen anderen Wissenschaftlern zugrunde lag. Zusätzlich hat der allgemeine Trend zur Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen auch in der Wissenschaft Spuren hinterlassen.

[…]

[weiter in Blätter für deutsche und internationale Politik 11/2014]

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