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Befristete Vertragsgestaltung und die Produktivität der Forschung

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Befristete Vertragsgestaltung und die Produktivität der Forschung

Die MPG geht davon aus, dass m i n d e s t e n s die Hälfte der auf Stellen forschend Tätigen zu befristen sind. Die Realität in manchen insbesondere neu gegründeten Instituten eilt diesem Mindestwert weit voraus. Hinzu kommen ohnedies befristete Vertragsverhältnisse im Drittmittelbereich und für all diejenigen, die sich explizit zur Qualifizierung (Promovierende, Stipendiaten etc.) in den Instituten befinden. Diese Entwicklung hat inzwischen im Gefolge wachsender Bedeutung des Drittmittelbereichs und der bequemen Befristungsmöglichkeiten nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz auch das nichtwissenschaftliche Personal erreicht. Die MPG baut also auf Mobilität und Flexibilität zu Lasten von Kontinuität und Sicherung von Erfahrungswissen. Zwar werden gelegentlich noch die sozialen Aspekte einer befristeten Existenz vorsichtig angesprochen, es besteht aber bis in die Köpfe mancher Betroffener hinein offensichtlich ein Konsens dazu, dass das Befristen produktiv sei. Neue gesetzliche Regelungen werden dem gemäß nahezu ausschließlich unter den Aspekten diskutiert, wie rechtssicher das Befristen gestaltet werden kann und welche endliche Verbleibsperspektive eröffnet wird.

Pro-und Contra-Argumente zur Befristung

Zu Zeiten vor dem Zustandekommen des ersten HRG war die inhaltliche Auseinandersetzung zu Vor- und Nachteilen der Befristung dagegen noch selbstverständlich. An einige Argumente soll erinnert werden.

Besonderes Gewicht hatte das Argument der „Generationsdynamik“: Die nachwachsende Generation möchte in das Beschäftigungssystem hinein, die älteren Generationen sind „drin“ und blockieren die Stellen.

Die einfache und nachvollziehbare Logik dieses Argumentationsmusters und der Verweis auf das damit verbundene Postulat der Chancengleichheit — jeder/e hat einmal eine Chance zu arbeiten — machten die Auseinandersetzung nicht leicht. Der spezifische Wert und die Qualität von Arbeitskraft der Erwerbstätigen werden aber im Rahmen dieses Argumentationsmusters ignoriert.

Besondere Bedeutung konnte diese Argumentation für Hochschulen und Forschung gewinnen. Erstens, weil Arbeitsplätze in diesen Bereichen als privilegiert gelten. Privilegien aber gilt es abzubauen oder allenfalls zu teilen. Zweitens, weil man argumentieren konnte, dass das Arbeiten in Hochschulen und Forschung mit einem hohen Lerneffekt verbunden ist und die Beschäftigten sich dort mehr oder weniger in Ausbildung für andere Aufgaben und Beschäftigungsbereiche befinden. Dieser Logik folgend haben es die Hochschulen und einige außerhochschulische Einrichtungen geschickt verstanden, sich im Grunde als reine Ausbildungsagenturen zu verstehen. Alle akademisch Werktätigen werden zum lernenden „Nachwuchs“ erklärt, der entsprechend zu befristen sei. Die früher als Schmähung verstandene Bezeichnung von Einrichtungen als „Durchlauferhitzer“ wird zur Charakterisierung der eigenen Funktionsbestimmung gerne übernommen. Ergebnisse des forschenden Bemühens erscheinen dann lediglich als ein Nebenprodukt des Qualifizierungsprozesses, die Potenziale organisierter Forschung werden unter diesen Bedingungen nicht voll genutzt.

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