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Wissen­schaftliches Hochschul­personal: nur wenige unbe­fris­tet in Voll­zeit tätig

[via Statistisches Bundesamt]

Immer weniger wissen­schaft­liches und künst­le­risches Per­sonal ist an deutschen Hoch­schulen unbe­fristet und in Voll­zeit ange­stellt: Von 337 100 Per­sonen traf dies im Jahr 2011 nur auf 58 600 Per­sonen beziehungs­weise 17 % zu. Vor zehn Jahren betrug der Anteil unbe­fristeter Vollzeit­be­schäftigter am wissen­schaft­lichen und künst­lerischen Per­sonal noch 27 %.

Insbesondere Frauen sind an Hoch­schulen selten unbefristet und in Voll­zeit beschäf­tigt: Nur 10 % der weib­lichen Ange­stell­ten übten 2011 eine unbe­fristete Voll­zeit­tätig­keit aus; bei den Männern waren es 21 %. Vor zehn Jahren lagen die Anteile bei beiden Geschlechtern mit 15 % (Frauen) beziehungs­weise 32 % (Männer) deutlich höher.

Je nach Personal­gruppe variiert der Anteil unbe­fristet Vollzeit­beschäftig­ter erheb­lich: Unter den Pro­fes­sorinnen und Profes­soren war er mit 78 % mit Abstand am höchs­ten, gefolgt von Lehr­kräften für besondere Auf­gaben (42 %). Von den wissen­schaft­lichen und künst­lerischen Mit­arbeiterinnen und Mit­arbeitern waren hin­gegen nur 13 % unbe­fristet und in Vollzeit angestellt.

Diese und viele weitere Informationen finden Sie in der Broschüre “Hochschulen auf einen Blick”.

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verdi: Tarifverhandlungen im Länderbereich – leere Worte, keine Angebote

[biwifo Report 1/2013]

Tarifverhandlungen im Länderbereich – leere Worte, keine Angebote

Dass es „Fehlentwicklungen“ bei der Befristungspraxis gäbe, räumt die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) ein – sieht jedoch keine tariflichen Lösungsmöglichkeiten.

„Fehlentwicklungen“? Nein, es war politisch gewollt, Befristungsmöglichkeiten immer weiter auszudehnen! Sind Instrumente wie Wissenschaftszeitvertragsgesetz oder Teilzeit- und Befristungsgesetz erst einmal geschaffen, ohne dass es parallel reglementierende Verordnungen, Erlasse und Vereinbarungen der Tarifparteien gibt, darf sich niemand wundern, wenn die Instrumente „unlimited“ genutzt werden.

Dass Befristungen immer üblicher und immer kürzer werden, hat nicht nur herbe Konsequenzen für die Beschäftigten: Sie können ihr eigenes Leben nicht planen, weil Arbeitsort, Arbeitszeit und Einkommen kaum berechenbar sind. Die völlig ausgeuferte Befristungspraxis hat auch massive Folgen für die Einrichtungen und Dienststellen. Der enorme administrative Aufwand des Befristungsunwesens belastet die Etats der Institutionen. Das wird allerdings „bilanziell“ nicht abgebildet: Diskontinuitäten in der Stellenbesetzung und Aufgabenwahrnehmung verursachen Transaktionskosten, die in keinem Budget und in keiner Kosten- und Leistungsrechnung auftauchen.

Wir fordern:
– Ausschluss der sachgrundlosen Befristung,
– drastische Reduzierung und Quotierung der befristeten Arbeitsverhältnisse,
– deutlichen Ausbau der unbefristeten Stellen.

Petra Gerstenkorn
Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes und Leiterin des Fachbereichs Bildung, Wissenschaft und Forschung

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GEW: „Schluss mit dem Befristungswahn!“

[PM vom 30.11.2011 http://wissenschaft.gew.de/GEW_Schluss_mit_dem_Befristungswahn.html]

GEW: „Schluss mit dem Befristungswahn!“

Bildungsgewerkschaft zu Zeitverträgen in der Wissenschaft

Berlin/Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Bundestag aufgefordert, die ausufernde Befristungspraxis an Hochschulen und Forschungseinrichtungen einzudämmen. „Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten – das ist nicht nur unanständig gegenüber den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern gefährdet auch Kontinuität und Qualität von Forschung und Lehre. Die Arbeitgeber müssen verpflichtet werden, die Befristung von Arbeitsverhältnissen verantwortungsbewusst zu handhaben – Schluss mit dem Befristungswahn!“, erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller am Mittwoch in Berlin. Keller ist einer von sieben Sachverständigen, den der Bildungs- und Forschungsausschuss des Bundestages heute in einem öffentlichen Fachgespräch zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz anhört.

Alarmiert zeigte sich Keller über die Daten der neuen Hochschulpersonalstatistik, die das Statistische Bundesamt vergangenen Mittwoch veröffentlicht hatte. „Auf einen unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Angestellten kommen inzwischen acht Kolleginnen und Kollegen mit einem Zeitvertrag. Vor fünf Jahren lag das Verhältnis von unbefristet und befristet beschäftigten wissenschaftlichen Angestellten noch bei 1:4. Hinzu kommt: Über die Hälfte aller Zeitverträge laufen weniger als ein Jahr. Das zeigt: Die Hochschulen sind nicht in der Lage, verantwortungsbewusst mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz umzugehen. Deshalb muss der Gesetzgeber handeln“, sagte der GEW-Hochschulexperte.

Die Bildungsgewerkschaft fordert, Mindeststandards für Zeitverträge gesetzlich zu verankern. „Die Laufzeit der Verträge muss sich an der Länge der Projekte orientieren. Dauert ein Forschungsvorhaben drei Jahre, muss auch der Arbeitsvertrag über mindestens drei Jahre laufen“, schlug Keller vor. Er forderte den Bund außerdem auf, durch eine aktive Vergabepolitik für die Stabilisierung der Beschäftigung in der Wissenschaft zu sorgen. „Die Vergabe von Zuschüssen und Drittmitteln in der Wissenschaft muss an Auflagen geknüpft werden: Tarifverträge müssen eingehalten, ein Mindestanteil unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse muss garantiert werden. Nur so werden die Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf Dauer im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten können“, sagte Keller.

Info: Für das öffentliche Fachgespräch zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz hat GEW-Experte Andreas Keller dem Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung eine schriftliche Stellungnahme vorgelegt, die Sie im Link unten finden.

GEW-Stellungnahme zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz

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Öffentliches Fachgespräch zur Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

[Bundestag PM vom 29.11.11]

Öffentliches Fachgespräch zur Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes

Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (Fachgespräch) – 29.11.2011

Berlin: (hib/TYH) Der Ausschuss für Bildung und Forschung beschäftigt sich mit dem Problem von befristeten Arbeitsverträgen im Wissenschaftssystem. Die Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ist Gegenstand eines öffentlichen Fachgesprächs des Ausschusses. Grundlage sind fünf Oppositionsanträge. Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 30. November 2011, um 9.30 Uhr im Sitzungssaal E 700 (Paul-Löbe-Haus). Besucher können sich unter Angabe von Name, Vorname, Anschrift und Geburtsdatum beim Sekretariat des Ausschusses (Tel.: 030/227-32861, Fax: 030/227-36845 oder E-Mail:bildungundforschung@bundestag.de anmelden.

Die SPD-Fraktion spricht sich in ihrem Antrag (17/6336) für eine Personaloffensive für die Hochschulen aus. Diese soll unter anderem 2.500 zusätzliche Professuren bis 2020 und 1.000 zusätzliche Juniorprofessuren bis 2015 beinhalten, außerdem die Steigerung des Frauenanteils in den Führungsgremien der Hochschulen auf mindestens 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020.

Nach dem Willen der Fraktion Die Linke sollen befristete Arbeitsverträge eingedämmt werden. Die zunehmende Befristung und Verkürzung der Arbeitsverträge an Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten führe zu einer Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse in der deutschen Wissenschaftslandschaft, schreibt sie in einem Antrag (17/6488). 2009 waren nach Angaben der Fraktion 83 Prozent der hauptberuflich angestellten Wissenschaftler befristet beschäftigt; mehr als die Hälfte dieser Verträge läuft demnach weniger als ein Jahr. Sie fordern deshalb, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz zu überarbeiten. Dort soll unter anderem eine Mindestvertragslaufzeit für wissenschaftliche Mitarbeiter von einem Jahr festgelegt werden. Darüber hinaus verlangt die Fraktion, die Vertragslaufzeiten an die Dauer der Qualifizierungsphase beziehungsweise bei Drittmittelfinanzierung an die Förderdauer der Projekte zu binden. Auch in ihrem zweiten Antrag fordern die Abgeordneten (17/4423), die Wissenschaft als Beruf attraktiver zu gestalten und die Prekarisierung des akademischen Mittelbaus zu beenden.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert einen „Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs und zukunftsfähige Personalstrukturen an den Hochschulen“. Dieser solle in verbindlichen Schritten zusätzliche Professuren einrichten, fordern die Abgeordneten in einem entsprechenden Antrag (17/4203). Schon für 2008 habe der Wissenschaftsrat einen Fehlbedarf von deutschlandweit 4.000 Professuren errechnet. „Die Personalstrukturen an den deutschen Hochschulen müssen international wettbewerbsfähig werden“, betonen die Abgeordneten. In einem zweiten Antrag (17/7773) setzen sie sich außerdem für die Aufhebung der Tarifsperre im Wissenschaftszeitvertragsgesetz ein. Im Rahmen der Überprüfung und Revision des 2007 in Kraft getretenen Wissenschaftszeitvertragsgesetzes müsse sich die Bundesregierung zudem auch dafür einsetzen, dass die Befristungen der Arbeitsverträge eine Laufzeit von zwei Jahren nicht unterschreiten.

Zum Gespräch eingeladen sind Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg, Georg Jongmanns vom Hochschul-Informations-System, Andreas Keller, GEW-Hauptvorstand, Professor Karl Ulrich Mayer von der Leibniz-Gemeinschaft, Professor Ursula Nelles von der Universität Münster, Professor Ulrich Preis von der Universität Köln und Manfred Scheifele vom Gesamtbetriebsrat Fraunhofer-Gesellschaft.

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Templiner Manifest

Ergebnis der 4. GEW-Wissenschaftskonferenz 2010 “Taumjob Wissenschaft” war das Templiner Manifest.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind mit wachsenden Anforderungen konfrontiert: durch steigende Studierendenzahlen, durch die Reform der Studiengänge, eine autonome Steuerung der Einrichtungen und die zunehmende Bedeutung der Drittmitteleinwerbung. Diesen Anforderungen müssen sich die Beschäftigten in der Wissenschaft stellen, ohne dass sie aufgabengerechte Bedingungen vorfinden. Befristete Arbeitsverträge und weitere Formen atypischer und prekärer Beschäftigung betreffen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden selbstständige Forschung und Lehre und verlässliche berufliche Perspektiven verwehrt.

Doch gute Lehre und Forschung auf der einen Seite sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven auf der anderen sind zwei Seiten einer Medaille. Wir fordern daher Bund, Länder und Hochschulen zu einer Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung auf, die sich an den folgenden zehn Eckpunkten orientiert.

Templiner Manifest online unterzeichnen

Higher education and research face growing demands as a result of the rise in student numbers, reforms to the course structure, self-management and the increasing importance of third-party sponsorship. Staff in this sector are expected to meet these challenges without the benefit of appropriate conditions to facilitate their work. More and more academics are given fixed-term contracts or other types of atypical and precarious employment. Many lack the leeway they need for independent teaching and research and are denied reliable career prospects.

However, effective teaching and research on the one hand and decent working conditions and career prospects are two sides of the same coin. We therefore urge the federal and state agencies and institutions in the sector to undertake a reform of personnel structure and career paths in higher education and research, guided by ten principles set out below.

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Befristete Vertragsgestaltung und die Produktivität der Forschung

Reposted from [Inside MPG: Mitteilungen des Gesamtbetriebsrats 3/2004], which are unfortunately not publicly available.

Befristete Vertragsgestaltung und die Produktivität der Forschung

Die MPG geht davon aus, dass m i n d e s t e n s die Hälfte der auf Stellen forschend Tätigen zu befristen sind. Die Realität in manchen insbesondere neu gegründeten Instituten eilt diesem Mindestwert weit voraus. Hinzu kommen ohnedies befristete Vertragsverhältnisse im Drittmittelbereich und für all diejenigen, die sich explizit zur Qualifizierung (Promovierende, Stipendiaten etc.) in den Instituten befinden. Diese Entwicklung hat inzwischen im Gefolge wachsender Bedeutung des Drittmittelbereichs und der bequemen Befristungsmöglichkeiten nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz auch das nichtwissenschaftliche Personal erreicht. Die MPG baut also auf Mobilität und Flexibilität zu Lasten von Kontinuität und Sicherung von Erfahrungswissen. Zwar werden gelegentlich noch die sozialen Aspekte einer befristeten Existenz vorsichtig angesprochen, es besteht aber bis in die Köpfe mancher Betroffener hinein offensichtlich ein Konsens dazu, dass das Befristen produktiv sei. Neue gesetzliche Regelungen werden dem gemäß nahezu ausschließlich unter den Aspekten diskutiert, wie rechtssicher das Befristen gestaltet werden kann und welche endliche Verbleibsperspektive eröffnet wird.

Pro-und Contra-Argumente zur Befristung

Zu Zeiten vor dem Zustandekommen des ersten HRG war die inhaltliche Auseinandersetzung zu Vor- und Nachteilen der Befristung dagegen noch selbstverständlich. An einige Argumente soll erinnert werden.

Besonderes Gewicht hatte das Argument der „Generationsdynamik“: Die nachwachsende Generation möchte in das Beschäftigungssystem hinein, die älteren Generationen sind „drin“ und blockieren die Stellen.

Die einfache und nachvollziehbare Logik dieses Argumentationsmusters und der Verweis auf das damit verbundene Postulat der Chancengleichheit — jeder/e hat einmal eine Chance zu arbeiten — machten die Auseinandersetzung nicht leicht. Der spezifische Wert und die Qualität von Arbeitskraft der Erwerbstätigen werden aber im Rahmen dieses Argumentationsmusters ignoriert.

Besondere Bedeutung konnte diese Argumentation für Hochschulen und Forschung gewinnen. Erstens, weil Arbeitsplätze in diesen Bereichen als privilegiert gelten. Privilegien aber gilt es abzubauen oder allenfalls zu teilen. Zweitens, weil man argumentieren konnte, dass das Arbeiten in Hochschulen und Forschung mit einem hohen Lerneffekt verbunden ist und die Beschäftigten sich dort mehr oder weniger in Ausbildung für andere Aufgaben und Beschäftigungsbereiche befinden. Dieser Logik folgend haben es die Hochschulen und einige außerhochschulische Einrichtungen geschickt verstanden, sich im Grunde als reine Ausbildungsagenturen zu verstehen. Alle akademisch Werktätigen werden zum lernenden „Nachwuchs“ erklärt, der entsprechend zu befristen sei. Die früher als Schmähung verstandene Bezeichnung von Einrichtungen als „Durchlauferhitzer“ wird zur Charakterisierung der eigenen Funktionsbestimmung gerne übernommen. Ergebnisse des forschenden Bemühens erscheinen dann lediglich als ein Nebenprodukt des Qualifizierungsprozesses, die Potenziale organisierter Forschung werden unter diesen Bedingungen nicht voll genutzt.

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